Währungsreform und „Wirtschaftswunder“ waren auch für Boehringer Ingelheim ein guter Rahmen für weiteres Wachstum. 1955 hat sich die Zahl der Mitarbeiter von 1939 im Zuge des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs des Wiederaufbaus vervierfacht. Neue und äußerst wirksame pharmazeutische Spezialitäten werden in den späten fünfziger Jahren eingeführt. Sie bilden das Fundament des Forschungsprogramms von Boehringer Ingelheim: Mittel zur Behandlung der Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Traktes.
Der zweite Sohn des Firmengründers, Dr. Ernst Boehringer, erkennt die Bedeutung internationaler Märkte für ein chemisch-pharmazeutisches Unternehmen. Eine Tochterfirma im eigenen Land ist bereits 1946 mit der Produktionseinheit Thomae in Biberach an der Riss zu den beiden bestehenden Boehringer Ingelheim-Betrieben dazugekommen. Der Gründung der ersten Auslandsgesellschaft in Wien 1948 folgen weitere Auslandsgesellschaften in Europa und in Übersee.
Nach dem Tod von Albert und Ernst Boehringer übernimmt Julius Liebrecht 1965 den Vorsitz in der Unternehmensleitung. Sein Sohn, Hubertus Liebrecht, tritt 1967 in die Unternehmensleitung ein und wird 1971 deren Vorsitzender. Auch Dr. Wilhelm Boehringer, Sohn von Albert, ist seit 1967 in der Geschäftsleitung tätig und übernimmt die Verantwortung für den Geschäftsbereich Produktion und Technik bis zu seinem frühen Tod 1975 im Alter von 44 Jahren.
Von den 50er Jahren bis in die späten 80er bringt Boehringer Ingelheim mehrere bedeutende und innovative Präparate auf den Markt, darunter die Atemwegsmittel Alupent® (1961), Bisolvon® (1963), Berotec® (1972), Atrovent® (1975) und Berodual® (1980).
Auf dem Gebiet der Herz-/Kreislauf-Präparate kommt 1966 Catapresan® auf den Markt, ein Mittel gegen Bluthochdruck mit einem neuen Wirkprinzip, gefolgt von Mexitil® (1979), einem Mittel gegen Herzrhythmusstörungen.
1977 wird Asasantin®, ein Mittel gegen Thrombose und Embolien, das die Wirkung von Persantin® (1959) und Acetylsalicylsäure (ASS) vereint, eingeführt. 1979 folgt die Einführung des Schleimlösers Mucosolvan®.
Die Einführung von Actilyse® 1987 markiert in zweifacher Weise einen Meilenstein für Boehringer Ingelheim. Erstmals gibt es für Patienten eine thrombolytische Therapie des akuten Herzinfarkts. Für das Unternehmen ist Actilyse® zudem das erste eigene Präparat aus der biopharmazeutischen Herstellung, die ein Jahr zuvor eröffnet wurde.
Gründung der ersten Auslandsgesellschaft: Bender & Co. GmbH in Wien (heute Regional Center Vienna).
Durch Vermittlung Robert Boehringers beginnt eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmaunternehmen J. R. Geigy AG in Basel. Thomae übernimmt in Lizenz die Herstellung und den Alleinvertrieb der pharmazeutischen Geigy-Spezialitäten in Deutschland.
Effortil® (Kreislaufmittel), Vasculat® (ein gefäßerweiterndes Präparat) und Visadron® (Augentropfen) werden eingeführt.
Einführung von Buscopan®, einem krampflösenden Mittel pflanzlichen Ursprungs zur Behandlung von Magen- und Darmerkrankungen.
In Biberach an der Riss entstehen die ersten Werkswohnungen.
Gründung von Boehringer Ingelheim Espana S.A. in Barcelona (Spanien).
Der Geschäftsbereich Tiergesundheit wird eingerichtet mit der Übernahme des Veterinärprogramms von Pfizer.
Aufbau des Geschäftes in Japan; die Gründung der Nippon C. H. Boehringer Sohn Co. Ltd. erfolgt erst 1961.
Aufbau des Italiengeschäftes und Gründung der C. H. Boehringer Sohn SRL in Florenz (Italien).
Die Boehringer de Angeli Quimica e Farmaceutica Ltda. in Sao Paulo (Brasilien) entsteht.
Die Boehringer Ingelheim S. A. wird in Buenos Aires (Argentinien) gegründet.
C.H. Boehringer Sohn Ltd. wird in Toronto (Kanada) gegründet.
Persantin®, ein Präparat zur Behandlung von koronaren Herzerkrankungen, wird bei Thomae erfolgreich erforscht und entwickelt.
Die ersten "Internationalen Tage" finden in Ingelheim statt. Andere Kulturen kennen zu lernen und besser zu verstehen, ist der Gedanke von Dr. Ernst Boehringer, als er die "Internationalen Tage" ins Leben ruft. Sie geben mit Veranstaltungen und einer Kunstausstellung, die im Jahr 2009 zum 50. Mal ihre Pforten öffnet, der Stadt neue Impulse.
Silomat®, ein Mittel gegen Reizhusten, wird eingeführt.
Der älteste Sohn des Firmengründers, Albert Boehringer jr., stirbt am 11. Februar im Alter von 69 Jahren.
Boehringer Ingelheim besteht 75 Jahre.
Alupent®, ein Asthmamittel, das die therapeutische Kompetenz bei Atemwegserkrankungen stärkt, wird eingeführt.
Eine japanische Auslandsgesellschaft, Nippon Boehringer, wird gegründet.
In Wien wird das Institut für Arzneimittelforschung mit Fokus auf Virologie und Pharmakologie errichtet.
Die Mexicana de Alcaloides S. A. de C. V. wird in Orizaba (Mexiko) gegründet.
Die Boehringer Ingelheim Limited in Bracknell (Großbritannien) wird gegründet.
Das in Biberach entwickelte Atemwegstherapeutikum Bisolvon® wird eingeführt. Es ist das erste schleimlösende Mittel aus eigener Forschung. Mit der Weiterentwicklung und dem Wirkstoff Ambroxol gelingt den Forschern ein Durchbruch.
Dr. Ernst Boehringer stirbt am 11. Januar im Alter von 69 Jahren. Die Firma hat zu diesem Zeitpunkt 9300 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete einen Umsatz von 543 Millionen Mark (ca. 278 Millionen Euro).
Catapresan®, ein Bluthochdruckmittel mit neuem Wirkmechanismus wird eingeführt.
Dr. Wilhelm Boehringer und Hubertus Liebrecht, Enkel des Firmengründers, treten in die Geschäftsleitung ein.
Im Japanischen Kawanashi wird ein neuer Forschungsstandort gegründet.
Die Auslandsgesellschaft Boehringer Ingelheim Pharmaceuticals, Inc. wird in den Vereinigten Staaten in Ridgefield, Connecticut, gegründet und zum nordamerikanischen Forschungszentrum des Unternehmens ausgebaut.
Das Asthmamittel Berotec® wird eingeführt.
Boehringer Ingelheim CA entsteht in Caracas (Venezuela).
Boehringer Ingelheim Canada Ltd. wird in Montreal gegründet (und geht 1978 nach Burlington, Ontario).
Die Celamerck GmbH & Co. KG wird durch Zusammenlegung der Cela Ingelheim und des Pflanzenschutzgeschäftes von Merck in Darmstadt gegründet. Die Beteiligung beläuft sich auf je fünfzig Prozent.
Die Milchsäureproduktion wird eingestellt.
Die Boehringer Ingelheim GmbH wird als deutsche Holding für die Auslandsgesellschaften des Firmenverbandes gegründet.
Robert Boehringer stirbt am 9. August.
Julius Liebrecht stirbt am 13. September.
Atrovent® zur Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen wird eingeführt.
Am 12. Januar stirbt Dr. Wilhelm Boehringer.
Die 1949 durch Vermittlung von Robert Boehringer ins Leben gerufene Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmaunternehmen J. R. Geigy AG endet.
Asasantin®, ein Mittel gegen Thrombose und Embolien, wird eingeführt.
Aus der bisherigen Abteilung Veterinärmedizin wird die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH ausgegründet.
Mexitil® gegen Herzrhythmusstörungen wird eingeführt.
Mucosolvan® zur Therapie von Bronchitis wird eingeführt.
Berodual®, ein Bronchospasmolytikum, wird eingeführt.
Die Boehringer Ingelheim KG wird für das Deutschlandgeschäft gegründet.
C. H. Boehringer Sohn wird Holding-Gesellschaft für die inländischen Gesellschaften, die neu gegründete Boehringer Ingelheim International GmbH für die ausländischen Gesellschaften.
Die Zitronensäure-Produktion wird eingestellt. Damit nimmt Boehringer Ingelheim endgültig von den Organischen Säuren Abschied, die für den wirtschaftlichen Erfolg der frühen Jahre entscheidend waren.
Gründung des Boehringer Ingelheim Fonds (BIF), Stiftung für medizinische Grundlagenforschung.
Boehringer Ingelheim feiert mit 22.254 Mitarbeitern, davon 8784 in Deutschland, sein hundertjähriges Bestehen und erreicht einen Umsatz von 4,528 Milliarden Mark (ca. 2,315 Milliarden Euro).
Das Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien als Joint Venture mit Genentech, Inc. (USA) wird gegründet. Die Eröffnung folgt 1988; seit 1993 ist das IMP im alleinigen Besitz von Boehringer Ingelheim.
Das Biotechnikum in Biberach nimmt den Betrieb auf. Es ist nach einer Investition von rund 150 Millionen Mark (ca. 77 Millionen Euro) die größte Produktionsanlage für Biopharmazeutika aus Zellkulturen in Europa.
Actilyse®, das erste bei Thomae / Boehringer Ingelheim biotechnisch hergestellte Präparat zur Therapie des akuten Herzinfarkts erhält die Zulassung.
Die Celamerck GmbH wird verkauft.
Das Bio-Méga Forschungszentrum in Laval (Kanada) wird erworben.